Bauturbo für Ludwigsburg
Kann die Stadtverwaltung trotz knapper Flächen und angespannter Märkte bezahlbare Wohnungen im Neubau ermöglichen? Gelockerte gesetzliche Vorgaben bieten jetzt Spielraum, den Politik und Verwaltung nutzen wollen.
Um mehr Wohnraum zu schaffen, will Ludwigsburg den neuen „Bauturbo“ anwenden: Die Bundesregierung hat für das Baugesetz eine Neuregelung geschaffen, die befristet bis Ende 2030 den Kommunen ermöglicht, bei Wohngebieten auf einen Bebauungsplan zu verzichten und bauplanungsrechtliche Vorschriften flexibler zu handhaben.
Wie die Stadt der Wohnungskrise begegnet, erklärt Baubürgermeisterin Andrea Schwarz: „Für uns gehört die Bereitstellung von Bauflächen für Wohnraum zur kommunalen Daseinsvorsorge. Unsere Gemarkung ist jedoch sehr eng. Gleichzeitig haben wir zu wenig bezahlbare Wohnungen. Wir sehen, dass die neu gebauten Wohnungen in der Stadt nicht genügen, um den Menschen in Ludwigsburg ein ausreichendes Angebot zu machen, wenn sich deren Wohnbedürfnisse ändern. Der Wohnungsmarkt erstarrt deswegen. Wir wollen Umzugsketten neu in Gang bringen.“
Ludwigsburg hat sich wie viele andere Kommunen dafür entschieden, dass mit dem neuen „Bauturbo“ viele Bauvorhaben schon nach einer dreimonatigen Prüfung zugelassen werden. Anträge gelten als genehmigt, wenn die Gemeinde nicht innerhalb dieser Frist widerspricht. Andere Vorschriften wie Denkmal-, Lärm- oder Umweltschutz müssen aber weiter eingehalten werden. Mehr Informationen gibt es bei der Bauberatung unter www.ludwigsburg.de/baurechtliche+verfahren.
Was schneller genehmigt wird
Grundsätzlich positiv behandelt die Stadt dabei die Erweiterung von Wohngebäuden mit neuen Wohnungen oder neue Wohneinheiten in Wohn- und Mischgebieten, wenn die Erschließung gesichert ist und keine übermäßige Verdichtung entsteht. Wohnungsbauvorhaben im Außenbereich oder in Gewerbe- und Industriegebieten werden dagegen sehr kritisch geprüft und in der Regel abgelehnt. Hintergrund dafür ist, dass dadurch bestehende Betriebe eingeschränkt werden könnten, was den wirtschaftspolitischen Zielsetzungen der Stadt zuwiderläuft.
Wo eine Änderung des Bebauungsplans nötig gewesen wäre, ist die Zeitersparnis am größten. „Wir sehen im Bauturbo eine Chance, den Wohnungsbau zu beschleunigen, ohne die Planungshoheit aufzugeben, und prüfen eigene Potenzialflächen für die Anwendung“, sagt Bürgermeisterin Schwarz. „Gleichzeitig sichern wir soziale Standards, etwa über Abgaben für soziale Infrastruktur oder Quoten für sozialen Wohnungsbau. Und wir beugen Grundstücksspekulationen vor, indem wir Baugenehmigungen nach dem Bauturbo nicht verlängern.“
Städtische Bauprojekte kommen voran
Bei der Entwicklung der Wohnbauflächen tut sich einiges: Im Wohnpark Fuchshof steht jetzt im Sommer der Spatenstich für Vorhaben großer Bauträger wie dem Konsortium aus den Ludwigsburger Unternehmen Betz BauPartner, Pflugfelder Immobilien und Strenger Bauen und Wohnen an oder ist wie im Fall des Bauentwicklers Bonava bereits erfolgt. Reihenhäuser im Erbbaurecht an der Fuchshofschule sind an weitere Bauträger wie die Conductor Bau vergeben, Baufelder für Baugemeinschaften werden im Sommer vermarktet. In Sonnenberg-Südwest wurden Grundstücke für Doppelhäuser vergeben.
Neben der Baupolitik hält die Stadt auch praktische Unterstützung für alle mit Wohneigentum bereit: Energieberatung und Infoveranstaltungen ebenso wie kostenlose digitale Angebote. So kann man sein Dach auf Solareignung überprüfen unter www.ludwigsburg.de/solarcheck. Auf www.ludwigsburg.de/waermebilder gibt es Wärmebildaufnahmen, die zeigen, wo an Gebäuden Wärme verloren geht. Außerdem bündelt die Stadt die Nachfrage für Wärmepumpen, um wirtschaftliche Vorteile zu erzielen: www.ludwigsburg.de/waermepumpe. Beim Sanierungssprint von drei Gebäuden mit energetischer Modernisierung in 22 Werktagen unterstützt die Stadt und informiert dazu unter www.ludwigsburg.de/sanierungssprint. (Clemens Flach)